Pneumatik

Welche Folgen hat der Pneumatik-Fachkräftemangel in deutschen Industrieclustern?

Pneumatik Fachkräftemangel in deutschen Industrieclustern: Folgen für Wartung, Anlagensicherheit, Ausbildung, Weiterbildung, Förderung und Zuwanderung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Pneumatik Fachkräftemangel gefährdet Wartung und Anlagensicherheit in deutschen Industrieclustern.
  • Betroffen sind vor allem Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, Hessen und Sachsen.
  • Ausbildung und Weiterbildung sind zentrale Gegenmaßnahmen, gefördert durch die Bundesagentur für Arbeit.
  • Fachkräfte aus dem Ausland können Engpässe abfedern, erfordern aber Anerkennung und Sprachförderung.
  • Unternehmen müssen die Standortfrage neu bewerten und in Qualifizierung investieren.

Pneumatik Fachkräftemangel: Zahlen und Ursachen

Der Pneumatik Fachkräftemangel ist Teil einer breiten Lücke in technischen Berufen. Eine eigene Statistik nur für Pneumatik gibt es nicht. Die Tätigkeiten stecken in den Metall-, Elektro- und Mechatronikberufen, die in der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit geführt werden. Dort finden Betriebe auch Wege, Arbeitskräfte zu finden, von der Stellenbesetzung bis zur Qualifizierung.

Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland beschäftigt rund 5,5 Millionen Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als zwei Billionen Euro. Diese Größenordnung lässt sich den Statistiken zu Industrie und Verarbeitendem Gewerbe entnehmen. Fällt Personal in Instandhaltung und Montage aus, trifft das einen erheblichen Teil der industriellen Wertschöpfung.

Die Ursachen sind demografisch. Rund 13 Millionen Menschen der geburtenstarken Jahrgänge erreichen in den kommenden Jahren das Rentenalter. Gleichzeitig beginnen weniger junge Menschen eine technische Ausbildung. In vielen Metall- und Elektroberufen liegt die Zahl der Bewerber seit Jahren unter der Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze.

Dazu kommt der technische Wandel. Moderne Pneumatikanlagen arbeiten mit Sensorik, Feldbus und Anforderungen an die Energieeffizienz nach DIN EN ISO 11011. Wer Druckluft wirtschaftlich betreiben will, braucht Messtechnik und Steuerungswissen. Diese Kombination ist selten, weil sie in keiner einzelnen Ausbildung vollständig vermittelt wird.

Zwei Faustzahlen der Branche zeigen den Druck. Auf Druckluft entfallen rund zehn Prozent des Stromverbrauchs in der Industrie. In schlecht gewarteten Netzen gehen bis zu 30 Prozent davon durch Leckagen verloren. Wer diese Verluste senken will, braucht genau die Fachkräfte, die fehlen.

Betroffene Industriecluster in Deutschland

Die Betroffenheit folgt der Industrielandkarte. In Baden-Württemberg arbeiten rund eine Million Menschen in der Metall- und Elektroindustrie. Der Automatisierungscluster um Stuttgart mit Herstellern wie Festo in Esslingen gehört zu den dichtesten Pneumatik-Standorten Europas.

In Bayern sitzen Bosch Rexroth in Lohr am Main und Kaeser Kompressoren in Coburg. Zusammen mit der Automobil- und Zulieferindustrie im Raum München und Ingolstadt entsteht ein großer Bedarf an Personal für Druckluft und Steuerungstechnik.

Nordrhein-Westfalen ist der größte Industriestandort Deutschlands. Atlas Copco in Essen und Boge Kompressoren in Bielefeld stehen für die Kompressorenbranche. Die Chemie- und Metallindustrie an Rhein und Ruhr braucht Druckluft rund um die Uhr.

In Hessen und Rheinland-Pfalz kommen Automatisierung und Chemie zusammen. SMC Deutschland in Egelsbach und die Chemiestandorte um BASF in Ludwigshafen verlangen Wartungsteams mit Pneumatik-Kenntnissen. In Niedersachsen ist Emerson mit dem Standort Laatzen vertreten, dazu die Zulieferindustrie rund um Hannover.

In Sachsen und Berlin/Brandenburg wachsen neue Cluster. Rund um Dresden, Chemnitz und Zwickau entstehen Fertigungen für Elektronik und Fahrzeugbau. Ländliche Regionen in Sachsen und Niedersachsen haben es schwerer, Bewerber zu finden, als die Metropolregionen.

Das schärft den Wettbewerb. Betriebe auf dem Land bieten Zulagen und Werkwohnungen, um Fachkräfte zu gewinnen. Die Industrie- und Handelskammern vor Ort beraten dazu und organisieren Lehrgänge für Instandhaltung und Drucklufttechnik.

Folgen für Wartung, Instandhaltung und Anlagensicherheit

Fehlendes Personal zeigt sich zuerst in der Instandhaltung. Prüffristen werden gestreckt, Reparaturen aufgeschoben, Ersatzteile später getauscht. Die Anlage läuft weiter, bis sie ausfällt.

Rechtlich ist das kein Spielraum. Druckluftanlagen und Druckbehälter unterliegen der Betriebssicherheitsverordnung. Prüfungen müssen durch befähigte Personen nach TRBS 1203 erfolgen, die Prüffristen legt der Betreiber nach TRBS 1201 fest. Fehlt die Qualifikation, fehlt der Prüfnachweis.

Auch die Unterweisung ist geregelt. Nach DGUV Vorschrift 1 müssen Beschäftigte mindestens einmal jährlich unterwiesen werden. Diese Unterweisung deckt Gefahren durch Druckluft, Druckbehälter und bewegte Teile ab. Ohne Fachpersonal bleibt sie Formalie oder fällt aus.

Ein weiteres Feld ist die Energieeffizienz. Nach dem Energiedienstleistungsgesetz müssen Unternehmen mit einem Jahresverbrauch über 2,5 Gigawattstunden alle vier Jahre ein Energieaudit durchführen. Die IHK berät dazu. Das Audit liefert Daten zu Druckluftverlusten, doch die Umsetzung braucht Personal.

Welche Aufgaben betroffen sind, zeigt die folgende Übersicht:

Aufgabe Erforderliche Qualifikation Folge bei Personalmangel
Leckageortung im Druckluftnetz Pneumatik-Fachkraft, Messtechnik Hohe Energiekosten, unentdeckte Verluste
Prüfung von Druckbehältern Befähigte Person nach TRBS 1203 Stilllegung, Bußgelder, Unfallgefahr
Wartung von Ventilen und Zylindern Industriemechaniker, Mechatroniker Ausfälle, Qualitätsverluste in der Fertigung
Optimierung nach DIN EN ISO 11011 Weiterbildung Energieeffizienz Druckluft Einsparpotenziale bleiben ungenutzt
Dokumentation der Sicherheitsprüfungen Unterweisung nach DGUV Vorschrift 1 Nachweislücken bei Audits und Prüfungen

Ausbildung und Weiterbildung als Gegenmaßnahme

Ausbildung ist der Hebel mit der längsten Wirkung. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Betriebe, die Fachkräfte ausbilden, und informiert zu Ausbildungsplätzen und Fördermöglichkeiten.

In Metall- und Elektroberufen dauert die Ausbildung in der Regel dreieinhalb Jahre. Pneumatik ist Pflichtinhalt im Ausbildungsrahmenplan und Prüfungsfach. Wer danach tiefer einsteigen will, kann den Industriemeister oder staatlich geprüften Techniker anschließen, in Teilzeit meist zwei bis vier Jahre.

Dazu kommen kurze Qualifizierungen. Die IHK bildet Druckluftbeauftragte aus. Der Bundesverband Drucklufttechnik e.V. (BDL) und der VDMA-Fachverband Fluidtechnik bieten Lehrgänge zur Drucklufttechnik an. Solche Abschlüsse sind praxisnah und in der Industrie anerkannt.

Weiterbildung für Beschäftigte lässt sich fördern. Die Bundesagentur für Arbeit hat dafür eine eigene Förderung von Weiterbildung für Unternehmen. Bezuschusst werden Lehrgangskosten und Arbeitsentgelt. Die Höhe richtet sich nach Betriebsgröße und Voraussetzungen, für kleinere Betriebe sind hohe Anteile möglich.

Der Antrag muss vor Beginn des Lehrgangs gestellt werden, der Träger muss nach AZAV zertifiziert sein. Dann läuft eine geförderte Qualifizierung so ab:

  1. Bedarf im Betrieb bestimmen, etwa Leckageortung, Druckluftmesstechnik oder Energieeffizienz nach DIN EN ISO 11011.
  2. Lehrgang bei einem AZAV-zertifizierten Träger, der IHK oder einem Branchenverband auswählen.
  3. Förderung bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen und den Kostenplan abstimmen.
  4. Beschäftigte freistellen und die Vertretung im Instandhaltungsteam regeln.
  5. Nach dem Abschluss das Wissen in Wartungspläne und Prüfprotokolle überführen.

Eine typische Konstellation: Ein Betrieb lässt einen Instandhalter zum Druckluftbeauftragten weiterbilden und coacht parallel zwei Auszubildende im Prüfungsfach Pneumatik. Die Förderung senkt die Kosten, und der Betrieb überbrückt die Jahre, bis eigener Nachwuchs einsatzbereit ist.

Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen

Zuwanderung wirkt schneller als Ausbildung. Die Bundesagentur für Arbeit bündelt das Thema auf einer eigenen Seite: Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland finden. Für die Vermittlung ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur zuständig.

Für Pneumatik-Betriebe zählen besonders Mechatroniker, Industriemechaniker und Elektroniker für Automatisierungstechnik. Bei diesen Berufen läuft die Anerkennung ausländischer Abschlüsse über die zuständigen Kammern nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz. Fehlt ein Referenzberuf, sind Anpassungsqualifizierungen möglich.

In der Praxis gibt es Hürden. Bewerber aus Indien, Mexiko, Tunesien oder den Philippinen bringen oft keinen deutschen Berufsabschluss mit. Übersetzungen, Gleichwertigkeitsprüfung und Sprachtest kosten Zeit. Je nach Beruf und Verfahren werden Deutschkenntnisse zwischen A1 und B2 verlangt.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und die Chancenkarte sollen den Zugang erleichtern. Das beschleunigte Fachkräfteverfahren soll Visa zügiger machen, wenn der Arbeitgeber die Vollmacht übernimmt und die Unterlagen vollständig vorliegen.

Entscheidend ist die Einarbeitung. Wer ausländische Fachkräfte einstellt, sollte Sprachkurs, Mentoring und eine technische Einweisung in die eigene Druckluftanlage einplanen. Die Bundesagentur für Arbeit berät dazu und nennt Förderwege.

Standortfrage: Was der Mangel für Unternehmen bedeutet

Der Personalmangel wird zur Standortfrage, wenn er Investitionen blockiert. Ein Automatisierer in Baden-Württemberg prüft eine neue Fertigungslinie. Ohne Instandhaltungsteam fehlt die Basis für den Betrieb. Dann wandert die Linie in ein Werk mit besserer Personaldecke.

Für Cluster wie den Maschinenbau in Baden-Württemberg oder die Chemie in Nordrhein-Westfalen bedeutet das schleichenden Substanzverlust. Betriebe investieren seltener am Stammsitz, Zulieferer verlieren Aufträge, Kommunen verlieren Steuerkraft.

Gegensteuern lässt sich auf drei Wegen. Eigene Ausbildung und Weiterbildung, gefördert durch die Bundesagentur für Arbeit, wirken langfristig. Zuwanderung mit Anerkennung und Sprachförderung wirkt schneller. Technik, die Personal entlastet, senkt den Aufwand pro Anlage.

Der technische Weg ist unterschätzt. Wo Fachkräfte fehlen, helfen Druckluftmessungen, Verbrauchsmessung pro Maschine und automatische Leckagewarnung. Das ersetzt keine Instandhaltung, reduziert aber den Zeitaufwand je Anlage deutlich.

Fördermittel für solche Investitionen kommen unter anderem vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft. Die IHK berät, welche Module für Druckluftmaßnahmen passen. Der Eigenanteil hängt von Betriebsgröße und Maßnahme ab.

Ob sich das für einen Betrieb lohnt, lässt sich vorab prüfen:

  • Bedarf je Abteilung erfasst, etwa Instandhaltung, Montage, Steuerungstechnik
  • Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit für Weiterbildung geprüft
  • Lehrgangsträger und Termine in der Region verglichen
  • Vertretungsregelung für die Dauer der Weiterbildung geklärt
  • Prüffristen nach TRBS 1201 und Unterweisungen nach DGUV Vorschrift 1 aktualisiert
  • Kosten und erwartete Einsparung bei Druckluft gegenübergestellt

Häufige Fragen

Wie wirkt sich der Pneumatik-Fachkräftemangel auf die Anlagensicherheit aus?

Ohne qualifiziertes Personal werden Prüfungen und Wartungen aufgeschoben. Das erhöht das Unfallrisiko und kann zu Bußgeldern führen. Die Nachweise nach TRBS 1201 und DGUV Vorschrift 1 sind dann lückenhaft.

Welche Förderungen gibt es für die Weiterbildung von Pneumatik-Fachkräften?

Die Bundesagentur für Arbeit bezuschusst Lehrgangskosten und Arbeitsentgelt, die Höhe richtet sich nach Betriebsgröße und Voraussetzungen. Der Antrag muss vor Beginn des Lehrgangs gestellt werden, der Träger muss AZAV-zertifiziert sein.

Welche Industriecluster in Deutschland sind besonders betroffen?

Baden-Württemberg mit dem Maschinenbau um Stuttgart, Nordrhein-Westfalen mit Chemie und Metall, Bayern mit Automobil und Kompressorenbau sowie Niedersachsen, Hessen und Sachsen. In diesen Regionen konkurrieren Mittelstand und Konzerne um dieselben Fachkräfte.

Wie können Unternehmen Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen?

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung unterstützt bei der Rekrutierung, die Kammern bei der Anerkennung von Abschlüssen. Betriebe sollten Sprachkurs, Mentoring und eine technische Einweisung einplanen.

Welche Rolle spielt die Ausbildung für die Lösung des Fachkräftemangels?

Die betriebliche Ausbildung ist der langfristige Hebel. In Metall- und Elektroberufen dauert sie dreieinhalb Jahre, Pneumatik ist Prüfungsfach. Die Bundesagentur für Arbeit fördert Ausbildungsplätze und berät dazu.

Was bedeutet der Fachkräftemangel für den Standort Deutschland?

Er kann Investitionen und ganze Fertigungslinien in Regionen mit besserer Personaldecke verschieben. Wer in Ausbildung, Weiterbildung und Zuwanderung investiert, sichert die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

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