Druckluft-Leitungsnetz mit Manometer und Leckagesucher bei der Abnahme
Bild: Druckluftbrevier

Kompressoren

Teil von Leitungsnetze für Druckluft: Rohre, Ringe und Dimensionierung

Leitungsnetze Checkliste für Abnahme und Dokumentation

Checkliste für die Abnahme von Druckluftleitungsnetzen: Prüfblöcke, Formulare, Normen, Verantwortliche und Prüfkosten netto und brutto im Überblick.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fünf Prüfblöcke: Dichtheit, Druckverlust, Befestigung, Kennzeichnung und Erdung
  • Abnahmeprotokoll, Rohrleitungsplan, Druckprüfprotokoll und Konformitätserklärung gehören in die Anlagenakte
  • Verantwortlich ist der Betreiber, geprüft wird durch eine sachkundige Person, die DGUV gibt den Rahmen für den Unfallschutz
  • Normen: ISO 4414 für pneumatische Systeme, DIN EN 13480 für metallische Industrierohrleitungen
  • Prüfkosten im Beispiel: 1.300 Euro netto, 1.547 Euro brutto bei 19 Prozent Umsatzsteuer

Prüfblöcke, Prüfmittel und Nachweise

Die Abnahme deckt fünf Blöcke ab: Dichtheit, Druckverlust, Befestigung, Kennzeichnung und Erdung. Jeder Block erhält im Protokoll eine eigene Zeile mit Messwert, Messgerät, Datum und Unterschrift. Ohne diese Zuordnung ist eine spätere Nachprüfung kaum möglich.

Checkliste der fünf Prüfblöcke mit Prüfmitteln und Nachweisen (Leitungsnetze Checkliste für Abnahme und Dokumentation)
Diese fünf Blöcke deckt die Abnahme ab, jeder mit eigenem Prüfmittel und Nachweis im Protokoll. Image: Druckluftbrevier

Die Dichtheitsprüfung läuft unter Betriebsdruck, nicht im drucklosen Zustand. Als Planungsrichtwert gelten höchstens 0,3 bar Gesamtdruckverlust zwischen Kompressor und entferntestem Verbraucher. Wird der Wert überschritten, ist die Ursache vor der Abnahme zu klären.

Typische Befunde bei Dichtheit, Druckverlust und Erdung

Leckagen sitzen häufig an Verschraubungen, Schnellkupplungen und Kondensatableitern. Eine Ultraschallmessung zeigt sie auch bei laufendem Betrieb, ohne das Netz abzuschalten. Die Summe aller Leckageraten wird als Ausgangswert für spätere Messungen festgehalten.

Beim Druckverlust trennt das Protokoll zwischen Anlagenverlust und Leitungsverlust. Ein zu kleiner Rohrquerschnitt, enge Bögen und ein überdimensionierter Filter fallen erst bei Volllast auf. Deshalb läuft die Messung mit dem entferntesten Verbraucher bei Nennlast.

Befestigungen tragen das Gewicht der Rohre und nehmen Schwingungen auf. Der Prüfer vergleicht die Halterungsabstände mit dem Plan und kontrolliert, ob Rohrschellen als Gleit- oder Festpunkt ausgeführt sind.

Die Kennzeichnung nennt Medium, Fließrichtung und Betriebsdruck je Abschnitt. Sie muss auch nach Umbauten stimmen, damit Absperrungen im Störfall schnell gefunden werden.

Die Erdung verhindert statische Aufladung und ist bei brennbaren Stäuben oder Lösungsmitteln besonders relevant. Der Erdungswiderstand wird gemessen und gegen den Grenzwert im Plan geprüft.

Ablauf der Abnahme in fünf Schritten

  1. Unterlagen sichten: Rohrleitungsplan, Isometrien, Schweißprotokolle, Herstellererklärungen.
  2. Sichtprüfung: Trassenführung, Halterungsabstände, Armaturen, Entwässerung, Kennzeichnung.
  3. Druckprüfung: Festigkeits- und Dichtheitsprüfung nach Vorgabe des Errichters, Werte dokumentieren.
  4. Betriebsprüfung: Dichtheitsmessung, Druckverlustmessung, Erdungsmessung am eingeschalteten Netz.
  5. Protokoll abschließen: Mängelliste, Fristen, Unterschriften von Errichter und Betreiber.

Formulare und Verantwortlichkeiten

Kern des Abnahmeprotokolls sind Messwerte, Mängel und Fristen. Dazu gehören der aktuelle Rohrleitungsplan als Bestandsplan, das Druckprüfprotokoll, Prüfbescheinigungen für Armaturen und Schläuche sowie die Konformitätserklärung des Errichters.

Die Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet den Betreiber, Arbeitsmittel vor der ersten Verwendung prüfen zu lassen. Für Druckluftanlagen sind Gefährdungsbeurteilung und Prüfungen in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit konkretisiert.

Die Prüfung selbst führt eine sachkundige, befähigte Person durch. Die DGUV bündelt als Unfallversicherungsträger Vorschriften und Informationen zum sicheren Betrieb.

Normen und Regelwerk

Für metallische industrielle Rohrleitungen gilt die Normenreihe DIN EN 13480, deren Grundlagen der Normenausschuss für industrielle Rohrleitungen in Deutschland mitgestaltet. ISO 4414 beschreibt allgemeine Regeln für pneumatische Systeme und deren Leitungen im Maschinenbereich.

Für Druckgeräte und Rohrleitungen über 0,5 bar zulässigem Druck greift zusätzlich die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU. Sie regelt Konformitätsbewertung und Kennzeichnung der eingebauten Komponenten.

Beispielrechnung: Prüfkosten netto und brutto

Beispielrechnung für ein Netz mit 120 Metern Leitung, zwei Abgängen und einer Abnahme am Standort München. Stundensätze und Wegekosten sind Annahmen, keine Angebotspreise.

Position Betrag netto
Anfahrt, Sichtprüfung, Unterlagenprüfung 380 Euro
Dichtheitsmessung mit Ultraschall, vier Stunden 520 Euro
Druckverlustmessung und Messprotokoll 240 Euro
Prüfung und Fortschreibung des Rohrleitungsplans 160 Euro
Summe netto 1.300 Euro

Zusammen 1.300 Euro netto, mit 19 Prozent Umsatzsteuer 247 Euro und damit 1.547 Euro brutto. Aufwendiger wird es bei Netzen mit vielen Abgängen, weil die Dichtheitsmessung je Abschnitt wiederholt wird.

Mängel und Nachbesserung

Funde werden im Protokoll mit Ort, Foto und Frist festgehalten. Kleinere Mängel beseitigt der Errichter vor der Übergabe. Sicherheitsrelevante Punkte wie eine fehlende Erdung oder undichte Schraubverbindungen stoppen die Abnahme.

Dokumentation nach der Abnahme

Nach der Abnahme wandert das Protokoll in die Anlagenakte. Prüffristen legt der Betreiber in der Gefährdungsbeurteilung fest, gesetzlich fixe Intervalle gibt es für Leitungsnetze nicht. Übliche Praxis sind eine jährliche Sichtprüfung und eine Dichtheitsmessung im Rahmen der wiederkehrenden Prüfung.

Bei Umbauten ändert sich der Bestandsplan. Änderungen an Rohrführung, Armaturen oder Abgängen werden eingetragen, sonst verliert der Plan seine Funktion als Nachweis. Kennzeichnung und Erdung werden dabei erneut geprüft.

Häufige Fragen

Wer ist für die Abnahme verantwortlich?

Der Betreiber. Er beauftragt eine sachkundige Person und zeichnet das Protokoll gegen.

Welche Unterlagen gehören in die Anlagenakte?

Rohrleitungsplan, Abnahmeprotokoll, Druckprüfprotokoll, Konformitätserklärung und Prüfbescheinigungen der Armaturen.

Gibt es feste Prüffristen für Leitungsnetze?

Nein. Die Frist ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung des Betreibers.

Gilt ISO 4414 für das Leitungsnetz?

Sie gilt für pneumatische Systeme und deren Leitungen in Maschinen. Für industrielle Rohrleitungen außerhalb von Maschinen ist DIN EN 13480 maßgeblich.

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