
Druckluftaufbereitung
Teil von Druckluftaufbereitung: Trockner, Filter und Kondensat richtig planen
Welche Druckluftqualität brauchen Nasslack und Membranpumpen?
Druckluftqualität für Nasslack und Membranpumpen: ISO 8573-1 Klassen für Feststoff, Wasser und Öl, Taupunkte, Restölgehalt, Prüfmethoden und Kosten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- ISO 8573-1:2010 bewertet Druckluft in drei getrennten Reihen: Feststoff, Wasser und Öl.
- Spritzluft in der Nasslackierung braucht meist 0,01 bis 0,1 mg/m³ Restöl, also Ölklasse 1 oder 2.
- Für Nasslack liegt der Drucktaupunkt üblicherweise bei plus 3 °C oder tiefer.
- Das Antriebsgas von Membranpumpen darf feuchter sein, oft genügen 1 bis 5 mg/m³ und plus 7 °C.
- Filter und Trockner müssen diese Werte im Dauerbetrieb halten, sonst entstehen Lackfehler.
Drei Messgrößen, drei Klassenzahlen
ISO 8573-1:2010 legt die Reinheit nicht in einer einzigen Zahl fest. Die Norm führt drei unabhängige Reihen: Feststoffpartikel, Wasser und Öl. Eine vollständige Angabe besteht deshalb aus drei Klassenzahlen, etwa Klasse 2 für Feststoff, Klasse 3 für Wasser und Klasse 1 für Öl.
ISO 8573-1: Drei Reihen, drei Klassenzahlen
Feststoff
- Klasse 1
- 0,1 mg/m³
- Klasse 2
- —
- Klasse 3
- —
- Klasse 4
- —
- Klasse 5
- —
- Klasse 6
- —
Wasser (Drucktaupunkt)
- Klasse 1
- minus 70 °C
- Klasse 2
- minus 40 °C
- Klasse 3
- minus 20 °C
- Klasse 4
- plus 3 °C
- Klasse 5
- plus 7 °C
- Klasse 6
- plus 10 °C
Öl (Restöl)
- Klasse 1
- 0,01 mg/m³
- Klasse 2
- 0,1 mg/m³
- Klasse 3
- 1 mg/m³
- Klasse 4
- 5 mg/m³
- Klasse 5
- —
- Klasse 6
- —
Für Feststoffe reichen die Klassen von 1 bis 5, Klasse 1 lässt nur 0,1 mg/m³ zu. Der VDMA bündelt Fachinformationen zu Drucklufttechnik, Normen und Leitungsnetzen in den VDMA Fachinformationen zu Drucklufttechnik und Normen.
Welche Werte Nasslack und Membranpumpe brauchen
Werte Nasslack und Membranpumpe
Spritzluft Nasslack
- Feststoff
- Klasse 1 oder 2
- Wasser, Drucktaupunkt
- plus 3 bis minus 20 °C
- Öl, Restölgehalt
- 0,01 bis 0,1 mg/m³
Antriebsluft Membranpumpe
- Feststoff
- Klasse 3 oder 4
- Wasser, Drucktaupunkt
- plus 7 bis plus 3 °C
- Öl, Restölgehalt
- 1 bis 5 mg/m³
Die Tabelle nennt typische Praxiswerte, keine Normvorgabe. Verbindlich bleiben die Anleitung des Anlagenherstellers und die Freigabe des Lacklieferanten.
In Flüssiglackapplikationen wirkt Druckluft als Spritzluft, als Steuerluft für Ventile und als Förderluft. Jeder Kontakt mit dem Lack verlangt öl- und partikelarme Luft, weil Öltröpfchen und Partikel als Krater oder Stippen sichtbar werden.
Bei Membranpumpen treibt die Luft nur die Membran und berührt das Fördermedium nicht. Deshalb genügen mittlere Klassen. Feuchte kann bei starker Entspannung am Luftfilter vereisen, Trocknung und Filterpflege gehören zur Auslegung.
Trockner, Filter und Anbieter für diese Klassen
Kältetrockner erreichen Drucktaupunkte um plus 3 °C und decken Wasserklasse 4 ab. Adsorptionstrockner kommen auf minus 20 °C bis minus 70 °C, damit sind Klasse 1 bis 3 erreichbar. Atlas Copco beschreibt sein Programm an Drucklufttrocknern mit Kälte- und Adsorptionstrocknern.
Den Restölgehalt senken Koaleszenzfilter, danach folgen Aktivkohlefilter für Öldampf und Geruch. Donaldson zeigt Filter und Abscheider für Druckluft.
Kompressoren und Aufbereitungskomponenten liefern unter anderem Kaeser, Atlas Copco, Donaldson und Parker. Vor der Bestellung lohnt die Frage, welche Klasse der Verbraucher wirklich verlangt.
Beispielrechnung: Filter- und Trocknerkosten in Euro
Die folgenden Beträge sind frei gewählte Beispielwerte, keine Preisauskunft. Angenommen wird eine Anlage mit 300 m³/h Liefermenge.
Ein Kältetrockner mit plus 3 °C Drucktaupunkt ist einmalig mit 6.000 Euro netto angesetzt, mit 19 Prozent Mehrwertsteuer also 7.140,00 Euro brutto. Ein Adsorptionstrockner für minus 40 °C steht mit 18.000 Euro netto in der Rechnung, das sind 21.420,00 Euro brutto.
Drei Feinfilterelemente zu je 150 Euro netto ergeben 450 Euro netto und 535,50 Euro brutto. Für den Wechsel rechnen wir mit 300 Euro netto pro Jahr, also 357,00 Euro brutto. Wer mit Ölklasse 2 statt Klasse 1 auskommt, kann auf Aktivkohlefilter verzichten.
So prüfen Sie die Werte nach ISO 8573-2 bis ISO 8573-4
Werte nach ISO 8573 prüfen
- Messpunkt am Verbraucher festlegen und die Anlage unter Nennlast fahren.
- Restöl nach ISO 8573-2 messen. Das Verfahren erfasst Aerosole, Öldampf braucht eine zusätzliche Prüfung.
- Feuchte nach ISO 8573-3 bestimmen und den Drucktaupunkt auf den Betriebsdruck beziehen.
- Feststoffpartikel nach ISO 8573-4 zählen und mit der Klassentabelle vergleichen.
- Ergebnisse dokumentieren und nach Filterwechsel oder Umbau wiederholen.
Häufige Fragen
Reicht Ölklasse 2 für jede Nasslackierung?
Nein. Empfindliche Lacksysteme und hohe Oberflächenansprüche verlangen Klasse 1 mit 0,01 mg/m³. Den Wert gibt der Lacklieferant vor.
Welche Klasse braucht eine Membranpumpe?
Für das Antriebsgas genügen in der Praxis oft 1 bis 5 mg/m³ Restöl und ein Drucktaupunkt um plus 7 °C. Verbindlich ist die Betriebsanleitung der Pumpe.
Warum wird der Drucktaupunkt auf den Betriebsdruck bezogen?
Weil sich die Feuchteaufnahme mit dem Druck ändert. Datenblätter nennen deshalb den Drucktaupunkt und nicht den Taupunkt bei Atmosphärendruck.
Muss ich jede Verwendung einzeln messen?
Ja. Spritzluft, Steuerluft und Antriebsluft haben unterschiedliche Grenzwerte und werden getrennt beurteilt.



